Eine aktuelle Studie belegt es eindeutig: Mit steigendem Body-Mass-Index wächst auch die Anfälligkeit für Infektionen. Schon leichtes Übergewicht erhöht das Risiko messbar, bei ausgeprägter Adipositas kann es sich sogar verdoppeln oder mehr. Ein Forschungsteam analysierte Daten von über 540.000 Erwachsenen aus finnischen Kohorten und der UK Biobank.
Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen BMI und 925 Infektionskrankheiten. Über mehr als ein Jahrzehnt wurden Krankenhausaufenthalte und Todesfälle erfasst. Im Ergebnis zeigte sich, dass Menschen mit Adipositas ein deutlich höheres Risiko haben, wegen Infektionen ins Krankenhaus zu müssen oder daran zu sterben: im Schnitt etwa 70 % mehr als Normalgewichtige. Mit jedem BMI-Anstieg nimmt die Gefahr weiter zu. In den finnischen Daten stieg das Risiko bei Adipositas um 48 bis sogar 175 %, je nach Ausprägung des Übergewichts. Ähnliche Werte zeigte die UK Biobank.
Die Forschenden schätzen, dass zukünftig weltweit etwa 10,8 % aller infektionsbedingten Todesfälle auf Adipositas zurückzuführen sind, das umfasst rund 600.000 Fälle. In früheren Jahren lagen die Werte teilweise noch höher. Parallel warnt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie vor einer Schwächung der spezialisierten Versorgung in Deutschland. Geplante strukturelle Änderungen könnten die Finanzierung erschweren, obwohl der Einsatz von Infektiologen nachweislich die Überlebenschancen verbessert und den Antibiotikaeinsatz reduziert.
Nyberg, S.T. et al.
Adult obesity and risk of severe infections: a multicohort study with global burden estimates
The Lancet
3/2026